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Im Hochsommer, wenn die Sonne ihre glühenden Strahlen
auf die Insel schickt, beginnt auf Sardinien die traditionelle Salz-Ernte.
Dann leuchten die Salzgärten unter einer dünnen weißen
Decke, als wäre es tiefster Winter. Die glitzernd weiße
Wunderwelt entsteht durch das Verdunsten des Meerwassers und bringt
jährlich etwa 350.000 Tonnen weißes Gold ein.
Seit Jahrhunderten wird an den Küsten des Mittelmeeres Meersalz
gewonnen. Schon die Römer wussten um den einfachen und zugleich
raffinierten Prozess. Im Süden
Sardiniens liegt das größte Salinengebiet der Insel.
Das Areal um die Inselhauptstadt
Cagliari besitzt ideale Voraussetzungen für die
Salzgewinnung: viel Sonne, niedrige Luftfeuchtigkeit, eine schön
große flache Bucht und markante Winde. Hier findet sich deshalb
eine der letzten noch produzierenden Salinen der Insel: Die Ing.
Luigi Conti Vecchi SpA.
In Cagliari
begann die industrielle Salzgewinnung erst in der 1930er Jahren,
zehn Jahre nach dem Bau der Conti-Vecchi-Saline in der Lagune
von Santa Gilla im Western der Inselhauptstadt.
Alljährlich wird hier Anfang April eine rund 2.100 ha große
Fläche geflutet. Mit Hilfe von Pumpen und Schleusen strömt
Meerwasser über den Kanal San Pietro zunächst in sogenannte
Verdunstungs- und Konzentrationsbecken, danach in etwa hundert Salzfelder.
Ein leichtes Gefälle bewirkt eine gute Wasserzirkulation.

Vor seiner Verwendung als Nahrungsmittel oder in der Industrie wird
das Meersalz in großen Bergen zwischengelagert
In den darauffolgenden Monaten muss der Wettergott es gut mit
den Salzseen meinen: Keine trüben Tage, nur strahlender Sonnenschein
und einen ordentlichen Wind. Durch die Verdunstung wird das Wasser
in den Salzlacken regelrecht rot, ein Zeichen für eine schon
sehr hohe Salzkonzentration. Zurück bleibt das abgelagerte
Meersalz. Ende August / Anfang September, wenn die Salzkruste zehn
bis fünfzehn Zentimeter dick ist, ist es soweit: das Salz wird
geerntet. Früher wurde das schneeweiße Würz- und
Konservierungsmittel noch in Handarbeit mit hölzernen Schaufeln
und Schubkarren abgetragen, seit den 1950er Jahren werden eigens
dafür entwickelte Salzschieber eingesetzt. Einen Monat lang
werden die Salzschichten an den Rand der Saline gebracht und zu
meterhohen Salzhaufen aufgetürmt, die gigantischen glitzernden
Schneebergen aufs kleinste ähneln. Um Regentage und einen damit
verbundenen Ernteausfall zu vermeiden, ernten die Salzbauern in
zwei Schichten von jeweils 12 Stunden. Der größte Anteil
(75%) des Ende September gewonnenen Meersalzes wird vom italienischen
Chemiekonzern Syndial (ehemals EniChem) unter anderem zur Produktion
von Natronbleichlauge und PVC verwendet. Das übrige Natriumchlorid
wird für industrielle Anwendungen, für den Frostschutz
auf den Straßen und zur Speisesalzgewinnung genutzt.
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