Mountainbiking und MTB-Touren auf Sardinien
Spektakuläre Küsten, einsame Strände, schroffe Berge, wilde Täler: Sardinien ist ein noch wenig entdecktes MTB-Land
Spektakuläre Küsten, einsame Strände, schroffe Berge, wilde Täler: Sardinien ist ein noch wenig entdecktes MTB-Land, das einmalige Reize, aber auch sportliche Herausforderungen hat. Sardinien bietet anspruchsvolle Bike-Abenteuer in einer bombastischen Landschaft, einer immergrünen Pflanzenwelt in den Bergen und einer Küstanlandschaft, die von schroffen Klippen bis endlos langen Stränden reicht, deren Sand so richtig in der Kette klebenbleibt.
Außerdem kommt man mit dem MTB an Sehenswürdigkeiten vorbei, die sonst keiner sieht: Versteckte Nuraghenfestungen aus der Neusteinzeit, alte Köhlerwege, verlassene Bergbaulandschaften und einsame Wachtürme, mit denen die Spanier einst die Küsten vor Piratenüberfällen schützen wollten.
Für einige technisch anspruchsvolle Singletrails entlang der Küsten oder in den einsamen Bergen braucht man allerdings manchmal alpine Erfahrung. Von Wind und Wetter zerfurchte Feld- und Waldwege, die scheinbar im Nichts enden, erfordern ein gutes Orientierungsvermögen. Gut ausgebaute Feldwege sind eher selten, stressfreie Einroll-Etappen muss man in vielen Fällen auf die ohnehin meist wenig befahrenen Asphaltstraßen verlegen.
Beste Reisezeit
Abgesehen von den niederschlagsreichen Monaten mit kurzen Tagen, November und Dezember und den sehr heißen und trockenen Monaten Juli und August ist Sardinien fast ganzjährig MTB-Land. Im Januar herrschen an sonnigen Tagen an der Küste im Süden bereits tolle Konditionen für Biker. Im Frühjahr und Herbst ist die ideale Reisezeit für ungetrübten Outdoor-Spass. Und wenn es an der Küste doch einmal zu heiß sein sollte, kann man immer noch in die hohen Bergen des Gennargentu-Massivs oder die dichten Forste im Südwesten der Insel ausweichen.
Was ist zu beachten
Wer sich mit dem Geländerad in die sardischen Berge und Täler wagt, sollte sich mit ausreichend Proviant und vor allem Flüssigkeit eindecken. Wasserquellen am Wegesrand gibt es fast keine.
Auch wenn man auf einsamen Forst- und Feldwegen keiner Menschenseele begegnet, sollte man Hinweis- und Verbotsschilder ernstnehmen. Land- und Forstbesitzer sehen es nicht gern, wenn MTBler auf ausgewiesenen Privatstraßen unterwegs sind. Da es auf vielen Touren und Trails in den Bergen und Tälern keinen Handyempfang gibt, sollte man gutes Kartenmaterial oder ein GPS-Gerät mit Offline-Karten dabeihaben und am besten nur mit Mitstreitern losziehen. 
Die besten MTB-Regionen
Die bei Urlaubern beliebteste MTB-Region der Insel sind die verwunschenen Granitlandschaften der Gallura im Norden der Insel. Hier gibt es auch eine Infrastruktur gewerblicher Anbieter und Bikeverleiher, die professionelles Material und Bikes verleihen und geführte Touren anbieten. Auch die Baronia an der Ostküste mit ihren traumhaften Küsten am Golf von Orosei und dem Naturpark Bidderosa, den Steineichenwäldern von Irgoli und dem wuchtigen Kalksteinmassiv des Monte Albo bei Sant Teodoro bieten hervorragende Bedingungen für Tourer, Anfänger und Profis. Herrlich lange und einsame Touren gibt es auch in der schroffen Berglandschaft der Ogliastra und der südlichen Barbagia mit ihren Canyons, Tafelbergen und atemberaubenden, aber anspruchsvollen Trails. Vor allem bei Bikern aus der Inselhauptstadt Cagliari beliebt sind die Berge der Sette Fratelli und Monte Minimini im Hinterland der südöstlichen Ferienregionen Villasimius und Costa Rei sowie die endlosen, dichten und schattigen Steineichenwälder von Monte Arcosu – hier findet man zu jeder Jahreszeit und gutem Wetter Kontakt zu lokalen Outdoor-Freaks. Einsames Trekking mit dem Rad bieten die stillgelegten Bergbaulandschaften der Costa Verde: Wo einst Bodenschätze gehortet wurden, sagen sich heute Fuchs, Hase und Biker Gute Nacht.
Weiterführende Informationen und Tourenvorschläge
Anregungen für Touren und Ausfahrten sollte man sich in einem der zahlreichen MTB-Guides holen. Einen umfangreichen, 2012 erschienenen Mountainbike-Führer hat der Rother Bergverlag herausgebracht. Die 46 Touren des Mountainbike-Führers führen vornehmlich durch den Süden und Osten der Insel und alle Touren können im GPX-Format für das GPS-Gerät heruntergeladen werden. Auf einer begleitenden Website des Autors können sich MTBler über die beschriebenen Touren austauschen. Outdoor-Freak und sardinien.com-Blogger Peter Herold hat in dem englischsprachigen Führer Mountain Bike Sardinia 70 Tagestouren inklusive GPS-Koordinaten ebenfalls für den Osten und Süden der Insel zusammengestellt. Aus dem Jahr 2003 stammt der in die Jahre gekommene Mountain Bike Guide Sardinien Gallura aus dem Am Berg Verlag, der noch als klassisches Roadbook mit faltbaren Streckenkarten statt GPS-Daten auskommt, dafür aber 21 schöne, zumeist kurze MTB-Ausflüge in der Gallura und an der Costa Smeralda beschreibt. Wer nur noch mit GPS unterwegs ist, findet zum Beispiel bei bikemap.net eine umfangreiche Sammlung verschiedener Biketouren für unterschiedliche Terrains sowie praktischem KML- und GPX-Export. Das Forstamt der Insel, Sardegna Foreste, hat auf seiner Website 16 MTB-Rundfahrten zusammengestellt und kartografiert (nur Italienisch).
Wettbewerbe 
Wer sich beim Bike-Abenteuer Sardinien sportlich-professionell messen will, für den bieten sich alljährlich im Mai und Juni zwei große Gelegenheiten: Das internationale MTB-Etappenrennen Rally di Sardegna Mountain Bike führt eine Woche lang etwa 500 Kilometer weit durch unwegsames Gelände im Osten der Insel. Outdoor-Action gibt es für MTB-Fans auf dem Off-Road Event Tnatura Sardegna, der Schwimmen, Mountain Bike und Trail Run kombiniert und jedes Jahr an einem anderen Ort stattfindet.
 
 
Timo Lutz
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