Sanluri
Verschlafenes Bauerndorf mit bewegter Geschichte
Die kleine Landgemeinde von Sanluri liegt ruhig zwischen den Feldern der Kulturlandschaft des Campidano, unweit der Hänge der Marmilla und weitab vom Schuss, seit die einst knapp am Dorf vorbeiführende Schnellstraße S.S. 131 Largo Felice einen großen Bogen um das 8500 Seelen zählende Provinznest macht.
 
Dennoch war Sanluri einst Schauplatz sardischer Geschichte und vielleicht sogar Geburtsort von Christoph Columbus, zumindest wenn man manchen Historikern glauben mag.

In das Zentrum sardischer Geschichte rückte Sanluri im Mittelalter: Der kleine Ort war zeitweise Zentrum der Macht des Judikats von Arborea, die Lage auf dem fruchtbaren Land, an der Grenze zum Judikat Cagliari und weit weg vom Meer war strategisch günstig. So errichteten die Herrscher das Castello di Sanluri mit seinen vier zackigen Ecktürmen, über zwei Meter dicken und 12 Meter hohen Verteidigungsmauern.
 
Ob sie aus dem 12. Jahrhundert stammt oder im 14. Jahrhundert von den Aragonesen in nur 27 Tagen errichtet wurde, darüber streiten sich die Geschichtsschreiber und Gelehrten.
 
 
Auch wenn man sich nicht für die Sammlung im Castello interessiert, ist ein Abstecher in das kleine, liebevoll restaurierte Burgviertel einen Besuch Wert. In der größten Kirche von Sanluri, der Pfarrkirche Parrocchia Nostra Signora delle Grazie (1776) gibt es wertvolle mittelalterliche Retabeln zu bewundern.
 
Stammt Kolumbus aus Sanluri? Neue Theorie über die Herkunft des Entdeckers der neuen Welt
Mit einer gewagten These trat die spanische Autorin Marisa Azuara im Jahr 2007 an die Öffentlichkeit: Christoph Kolumbus ist auf Sardinien geboren und Sohn eines sardischen Adelsgeschlechts.

In dem kleinen Städtchen Sanluri soll der neuzeitliche Entdecker des amerikanischen Kontinents als Sohn von Salvatore da Piccolomini und Isabella Alagon d’Arborea geboren sein, so die Autorin in ihrem Buch „Christoval Colón. Más grande que la legenda“ (zu deutsch: „Christoph Kolumbus. Größer als die Legende.“).
 
Demnach ist der Name Christoph Kolumbus nur ein Pseudonym und der berühmte Seefahrer stammt von der sardischen Regentin und Volksheldin Eleonora d’Arborea und der spanischen Familie Alagón von Saragossa ab.
 
Das will die Spanierin in zweijähriger Forschung in Archiven in Cagliari, Oristano, Alghero, Turin und dem Archiv der Krone von Aragon herausgefunden haben.

Zur Zeit der Geburt Christoph Columbus um 1451 war Sardinien Teil des Königreichs von Aragon, denn seit der Schlacht von Sanluri von 1409 herrschte das nordspanische Königshaus über die gesamte Insel.
 
So spielt diese These den Theorien in die Hände, nach denen der Entdecker der Neuen Welt spanische Wurzeln habe und nicht aus Genua stamme, wie zumindest Kolumbus selbst in seinem Testament behauptete. Die Erklärung für diese vermeintliche Unstimmigkeit liefert die Autorin gleich mit: Als Genueser seien im 15. Jahrhundert nicht nur die Einwohner der Stadt, sondern auch die ihrer Kolonien bezeichnet worden, und schließlich sei Sardinien auch genuesische Kolonie gewesen.
 
Mit dem gleichen Argument beanspruchen übrigens gleich mehrere Städte im Mittelmeer, Geburtsstadt von Kolumbus zu sein. So behauptet Calvi auf Korsika, Christoph Kolumbus sei Korse - schließlich sei die sardische Nachbarinsel auch Kolonie der italienischen Seerepublik gewesen.
 
Ob Kolumbus nun Sarde, Spanier, Italiener, Portugiese oder, wie einige Studien behaupten, gar Norweger war, wird auch dieses Buch letztendlich nicht belegen können. 
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Timo Lutz
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