Sassari
Die zahlreichen Facetten von Sassari: Geschichte, Kultur und Großstadtflair
Sassari ist sehenswert! Umgeben von weiten Olivenhainen erstreckt sich die Stadt über ein nach Süden abfallendes Kalksteinplateau. Wer zum ersten Mal hierher kommt, erblickt eine moderne Stadt mit historischem Kern und Tradition. Die 130.000 Einwohner-Metropole im Nordwesten Sardiniens ist die ewige Nummer zwei hinter der Inselhauptstadt Cagliari. 
Gegründet wurde das mittelalterliche Sassari (früher Tatthari) im 7. und 8. Jahrhundert vor Christus von den Bewohnern der Hafenstadt Porto Torres, die vor den andauernden Piratenüberfällen ins Inland geflohen waren. Trotzdem wird Sassari erst 1131 erstmals urkundlich erwähnt und erlebte seine Blüte im 13. Jahrhundert als freie Stadtrepublik und später als Brückenkopf des spanischen Königs auf der Insel. Zahlreiche Bauwerke im spanischen Stil zeugen noch aus dieser Zeit. 
Im 18. Jahrhundert war Sassari das Zentrum der antifeudalistischen Bewegung, 1891 wurde hier das Sprachrohr der Bewegung und zweitwichtigste Tageszeitung Sardiniens, die linke La Nuova Sardegna gegründet. Auch im 21. Jahrhundert machte Sassari als Hochburg der sardischen Unabhängigkeitsbewegung von sich reden: 1921 wurde hier die Partito Sardo d’Azione, die sardische Aktionspartei, gegründet.
Seit dem zweiten Weltkrieg hat sich die Einwohnerzahl von Sassari mehr als verdoppelt, Einkaufszentren haben sich angesiedelt und billige Wohnungen in Hochhausblöcken wurden auf das Kalksteinplateau in das Turritano gepflanzt. Heute ist sie die zweitgrößte Metropole der Insel, Provinzhauptstadt, Universitätssitz und bedeutendes Verkehrs- und Dienstleistungszentrum für Nordsardinien. Trotzdem führt die zweitgrößte Stadt der Insel ein Schattendasein: Verwaltung und Kultur findet hauptsächlich in Cagliari statt, touristisch stellt die viel kleinere Hafenstadt Alghero die nordsardische Metropole weit in den Schatten. Trotzdem lohnt ein Besuch der Altstadt von Sassari.
Die große Piazza d’Italia mit ihren repräsentativen Bauten wie dem Palazzo Sciuti, dem Sitz der Provinzverwaltung und dem Palazzo Giordano Apostoli mit seinen neogotischen Spitzbogenfenstern und dem Domplatz sind das Aushängeschild von Sassari. Von hier aus laden kleine Gassen zum Flanieren und Entdecken ein, und in den Straßencafes diskutiert man lebhaft miteinander. Der eindrucksvolle gotische Kathedrale von San Nicola verfügt über eine wunderschöne Barockfassade im spanischen Kolonialstil. Eine der ältesten Kirchen Sassaris ist Santa Maria di Betlem. Sie wurde im 13. Jahrhundert erbaut und der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in aragonisch-gotischen Stil umgebaut. Zwei jährlich wiederkehrende Feste machen Sassari zu einem Touristenmagneten: Jedes Jahr am vorletzten Sonntag im Mai gibt es bei dem Reiterfest Cavalcata Sarda prächtige Trachten aus zahlreichen Dörfern der Insel zu sehen. Am Vormittag beginnt der Trachtenumzug zum Sonnenuntergang wird mit Kunstreiten, Tanz und Gesang auf der Piazza d’Italia gefeiert. Das Reiterfest wurde 1711 zum ersten Mal veranstaltet zu Ehren des spanischen Königs Phillip V. veranstaltet, aber erst seit 1951 findet der „sardischen Ritt“ alljährlich statt und macht seither dem traditionellen Trachtenfest zu Ehren von Sant’Efisio in Cagliari Konkurrenz.
Mitten in die italienische Urlaubssaison fällt das Lichterfest der „Discesa dei Candelieri“ am 14. August das auf ein Gelübde der Sassaresi an die Madonna zurückgeht, das die Einwohner der Stadt abgelegt hatten, um die Stadt vor der Pest von 1582 zu schützen. Drei Meter hohe, reich geschmückte Kerzenständer aus Holz werden von den Handwerkszünften der Stadt von der Piazza Castello getragen. Zahlreiche Musikanten begleiten den Abstiegs, der Farrada, hinab zur Kirche Kirche Santa Maria di Betlem.
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Timo Lutz
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