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Ostern ist das höchste kirchliche Fest im Jahr. Die Sarden
nennen Ostern "Sa Pasca Manna" (das große
Osterfest) während Weihnachten nur "Paschixedda"
(das kleine Osterfest) genannt wird.
Die Tradition der "Settimana Santa" (Karwoche) geht schon
auf das 16. Jahrhundert zurück. Die katholische Kirche beschloss
damals, der Bevölkerung die Passion Christi auf eine verständliche
und zugleich eindrucksvolle Weise nahe zu bringen.

Passionprozession
im Schlossviertel von Cagliari am Gründonnerstag (Foto: Paolo
Succu)
Auf Sardinien beginnen die Osterfeierlichkeiten am Palmsonntag,
dauern die Karwoche über an, und erreichen ihren Höhepunkt
am Ostersonntag. Im Mittelpunkt der sardischen Osterbräuche
stehen neben dem Montag
der Karwoche und dem Gründonnerstag der Karfreitag
und vor allem der Ostersonntag. Hier spielen dann Prozessionen,
Wortgottesdienste, Chorgesänge, Fackelumzüge und Darstellungen
der Passion Christi eine wichtige Rolle.
Am Gründonnerstag, aber auch am Karfreitag
werden in allen Dörfern und Städten Stationen des Leidens
und Sterbens Jesu nachempfunden. Es handelt sich um alte Riten,
bei denen Glaube und Tradition sich vermischen. Den Passionsumzügen
schließen sich Sängergruppen an die in Chorälen
ihr Leid klagen. Der Weg Jesu wird für alle die ihn begleiten,
zu einem langwierigen Lernweg, der gekennzeichnet ist durch Licht
und Schatten.

Die „Cori“ bei
der Lu Lunissanti Prozession in Castelsardo. Jeder Chor setzt sich
aus vier Sängern bzw. Stimmen zusammen und wird durch ein Symbol
präsentiert. (Foto: MMV)
So traurig und schmerzvoll die Feier vom Leiden und Sterben Christi
am Abend des Karfreitags
begangen wird, so prachtvoll und fröhlich geht es deshalb bei
der Auferstehungsmesse und der „Incontru-Prozession“ am Ostersonntag
zu. Am ersten Osterfeiertag wird die Freunde über die Auferstehung
Christi gemeinschaftlich zum Ausdruck gebracht: Die Hoffnungslosigkeit
ist vorbei und das Leben hat wieder ein Ziel und einen Sinn.
Der Ostermontag ist der zweite Feiertag im Zeichen des Osterfestes.
An diesem Tag (Pasquetta) ist auf Sardinien der Brauch des Osterspaziergangs
noch lebendig. Mit der Familie oder den Freunden unternimmt man
Ausflüge in die nähere Umgebung und isst gemeinsam in
freier Natur.

Die Prozession "Su Desclavement" (die Abnahme vom Kreuz)
in Alghero (Foto: Paolo Succu)
Die Prozession
„Su Desclavament“ in Alghero
Am Karfreitag wird in Alghero mit viel zeremoniellem Prunk
die Feier vom Leiden und Sterben Christi begangen. Schon seit Jahrhunderten
feiert man im Städtchen an der Nordwestküste am Abend
des Karfreitags die Prozession
„Su Desclavament " oder "Su Descravaiment". Bei
dieser feierlichen Handlung wird Jesus in der Kathedrale Algheros
vom Kreuz abgenommen. Dieses Ritual lehnt sich an alte Bräuche
aus der spanischen Besatzungszeit an.
Die Feier beginnt an der Chiesa della Misericordia mit der Processione
del Discendimento bei der Leidenswerkzeuge sowie die Standbilder
der Madonna und des Jüngers Johann durch die Straßen
der Stadt getragen werden. Etwa gegen halb neun erreicht die Prozession
den Dom. Hier wird die Abnahme vom Kreuz begangen. Gegen halb zehn
nimmt dann ein trauernder Fackelumzug durch die Gassen des katalanischen
Städtchens seinen Anfang.
Die Passionsprozession "S'Incontru" in Oliena
Am Ostersonntag wird in Oliena, einer Stadt im Nordosten Sardiniens,
die Begegnung der Madonna mit dem wieder auferstanden Sohn begangen.
Dargestellt wird die Begegnung in der "Processione dei Misteri".
Misteri sind Standbilder, die Stationen des Leidensweg und der Auferstehung
darstellen und während der Prozession herumgeführt werden.
Bei der "Mysterienprozession" ziehen zwei Passionsumzüge,
von denen einer vorwiegend aus Männern besteht, der andere
aus Frauen durch die einzelne Stadtteile. Die Umzüge treten
ihren Weg an verschiedenen Orten an und vereinigen sich im Moment
des "Incontru", der Begegnung zwischen dem Standbild der
Jungfrau Maria und der Statue des auferstandenen Jesus. Jesus lebt,
so lautet die Osterbotschaft. Die Begegnung zwischen der Jungfrau
und Jesus wird zur Botschaft des göttlichen Neuanfangs und
wird mit Glockengeläut, und Böllern begrüßt.
Text: Andrea Behrmann
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