Monte Liuru
Fantastische Tafoni-Pyramide und einmaliger Rundblick über das Sarrabus

Diese technisch einfache, aber anspruchsvolle Panorama-Wanderung führt in eine einsame Berggegend und hat gleich zwei Highlights: Die wundersame Felsformation, die aufgrund ihrer spitzen Form "Piramide" genannt wird und den Aussichtspunkt von Monte Liuru mit Rundblick auf Südost-Sardinien. Auch für Mountainbiker geeignet.

Los geht's fast auf Meeresniveau am Rande des Flusses von Foxi Gonatta, einem begradigten Zulauf der Lagunenseen von Feraxi. Durch einen zunächst geradeaus führenden Hain, der von Mäuerchen, Feigenkakteen und Weingärten begrenzt wird, geht es sanft bergauf. An einem gepflegten Anwesen mit Villa führt der Weg steil nach rechts, dann durch ein meist offenes, aus Bettgestellen zusammengezimmertes Gatter weiter bergauf. Ist dieses Tor verschlossen, hat wahrscheinlich ein Schäfer seine Herde auf den Feldern springen lassen, deswegen bitte wieder verschließen.

Der Weg ist nur sporadisch mit rot-weiß-rot markierten Felsen oder rot markierten Holzpfahlen markiert, aber nicht zu verfehlen, denn wir folgen dem Fahrweg, den die Waldhüter in den Sommermonaten nutzen, um auf die Schutzhütte ganz an der Spitze des Monte Liuru zu gelangen. Der Ausblick unterwegs bergauf ist großartig: Er reicht über San Priamo, die Lagunenseen von Feraxi und Colostrai bis zu dem großen Felsvorsprung von Torre Salinas.

Die Straße führt an aufgeforsteten Eukalyptuswäldern vorbei. Der "Eucalipto" stammt aus Australien und wurde auf Sardinien eingeführt, um Sümpfe trockenzulegen und von Erosion gefährdete Berghänge zu stabilisieren, denn die sie wachsen schnell, verbrauchen viel Wasser und bilden ein tiefes Wurzelwerk.

Nach einem leichten, vegetationsfreien Stück Weg steigt der Fahrweg an und führt an mehreren alten Schäferhütten vorbei. Die Cuili Gutturu Padenti sind seit Jahrzehnten verfallen, sollen aber in den nächsten Jahren neu aufgebaut werden.

Wenige Meter weiter versperrt ein weiteres Gatter den Weg: Dahinter werden zuweilen Pferde gehalten, deswegen muss auch dieses Tor wieder verschlossen werden.

Wir folgen dem zerfurchten Weg steil bergauf. Bei einer kleinen Verschnaufpause kann man ein tolles Panorama genießen. Zwischen der wilden Macchia-Vegetation tauchen immer wieder verwitterte Granitblöcke mit bizarren Gestalten und Silhouetten auf und im Hintergrund glitzern die Lagunenseen und das weite Meer.

Nach zehn Minuten stehen wir vor einem weiteren Gatter aus rostigem Estrichgitter, kurz dahinter dann eines der wenigen Schilder des Wanderwegs auf den Monte Liuru: Links geht es weiter auf den Berg und nach rechts zum ersten Highlight unserer Wanderung: Den großartigen Tafonifelsen. Wir wandern an einem Stacheldrahtzaun entlang bis ein Schild nach links steil den Berg hinab auf die großartige Granitplattform führt, auf der wie aufgesetzt mehrere hausgroße Granitbrocken liegen.

Kaum zu glauben, wie die Natur diese ausgefallenen Felsen hier an Ort und Stelle geschaffen hat. Der größte davon wird schlicht Pyramide genannt, denn er hockt wie ein spitz zulaufender Zwergenhut auf dem Plateau. Dieser Felskegel ist von Wind und Wetter weitgehend ausgehöhlt und wird von nur wenigen wackligen Streben aus Granit gehalten. Darunter befindet sich eine Gewölbehöhle, in der langsam der graue Granit von der Decke bröckelt: Stetig in das Gestein eindringendes Sickerwasser zersetzt den Stein in Millionenjahre langer Arbeit langsam aber sicher von innen.

Ganze Arbeit hat Mutter Natur auch bei den weiteren Felsen geleistet: Ein großer Brocken hat ein ausgehöhltes Wasserbassin, das wie ein Taufbecken aussieht. So mancher behauptet, diese Stelle hätten bereits die alten Nuraghen gekannt und verehrt. Auch wenn es dafür kaum Anzeichen gibt, war der Ausblick zu Urzeiten wohl noch besser als heute: Vor uns liegt ein weites Tal und im Hintergrund die Bergzacken der Sette Fratelli. Leider stört in der Neuzeit die Schnellstraße SS 125 die Ruhe an diesem fantastischen Ort.

Für viele ist die Wanderung hier zu Ende, denn die letzte Dreiviertelstunde Aufstieg hat es in sich: In großem Steigungswinkel geht es mühevoll den Berg hinauf, so dass auch die meisten Mountainbiker ihren Drahtesel streckenweise lieber schieben.

Der Blick ist bereits hier fantastisch, egal ob zurück auf unseren Weg, über die Erdbeerbäume hinweg, oder in Richtung der Landzunge Capo Ferrato. An der Spitze des Monte Liuriu angekommen, erwartet uns ein Rundblick, der über die ganze Südostspitze Sardiniens reicht: Von Villasmius die gesamte Costa Rei entlang. Vor uns liegen die Strände von Feraxi und Colostrai mit den gleichnamigen Strandseen und Richtung Norden reicht die Aussicht bis nach Porto Corallo. Im Westen die Berge: Hier strecken sich die Bergrücken des Sarrabus und des Gerrei sowie die Höhenzüge der Sette Fratelli gen Himmel. Kein Wunder, dass hier die Forstwachtvon dem kleinen Aussichtsturm aus in den Sommermonaten eine riesige Fläche im Blick hat.

Da es nicht mehr höher geht als diese spektakulären 420 Meter über dem Meer, führt der Abstieg auf demselben Weg zurück.

Charakterisierung: Technisch einfache, aber vor allem am Ende steile Wanderung, weite Teile ohne Schatte; wenige Markierungen aber kaum zu verfehlen. Auch für Mountainbiker geeignet. Keine Einkehrmöglichkeiten. Gleicher Hin- und Rückweg.
Schwierigkeitsgrad: Einfach, aber anspruchsvolle Steigungen; festes Schuhwerk erforderlich. Vorsicht mit Kindern auf dem ungesicherten Felsplateau. Bei Nässe Rutschgefahr!
Dauer: ca. 2 Stunden hin- und zurück bis Piramide, gute 3 Stunden bis zum Aussichtspunkt Monte Liuru.
Anfahrt: Über die Schnellstraße SS 125, bei San Priamo abfahren und der Ausschilderung nach Feraxi folgen. Von jetzt an wird es knifflig, da das Zufahrtsschild zum Wanderweg oft geklaut wird. Die Straße führt zunächst im Zickzack über eine Brücke, danach in eine rechtwinklige Linkskurve. Den Wagen hier am Straßenrand abstellen. Wenige Meter nach der Kurve startet der Wanderweg schildlos. GPS-Position 39.338126, 9.568779.

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Timo Lutz
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