Sa Sartigliedda
Rosenmontag in Oristano
Rosenmontag in Oristano. Früher Nachmittag. Gutgelaunte Kids, Eltern und jede Menge fröhliche Mitläufer machen sich auf den Weg zur Kathedrale in der Via Duomo. Hier findet nämlich alljährlich die Sartigliedda, ein Pferderennen für Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren, statt.
 
Bunte Pferdeschleifen, flatternde Seidenbänder, edle Schabracken, schwarzer Zylinder, sardische Kostüme, glitzernde Schwerter und ein silberner Stern prägen das Bild des Städtchens an der Westküste von Sardinien, denn zur Sartigliedda erscheinen Reiter und Pferd ausnahmslos in wunderschönen Maskierungen.
 
In wildem Galopp und mit gezogenem Schwert gilt es einen aufgehängten Silberstern aufzuspießen. Anführer des Wettstreits ist Su Componidureddu, der Waffenmeister. Gemeinsam mit seinen Stellvertretern Su Segundu und Su Terzu eröffnet er das Turnier.
 
Doch bevor der Wettkampf seinen Anfang nimmt, wird Su Componidoreddu öffentlich eingekleidet. Das Gewand, das ihm magische Kräfte verleihen soll, wirkt zweideutig: Halb Mann, halb Frau, mit einem Brautschleier, einem Zylinder und einem Veilchenstrauß als Zepter in der Hand. Da er den Boden bis zum Ende des Turniers nicht mehr berühren darf, wird er getragen und in den Sattel gehoben. 

Rollender Trommelwirbel und Fanfarenstöße von Trompeten begleiten ihn auf seinem Weg zum Dom. Dreimal grüßt er in einem Beschwörungsritual unter dem aufgehängten Stern die anwesenden Zuschauer, dann geht's los – in vollem Galopp zieht er sein Schwert und versucht den Stern ohne Umstände aufzuspießen. Nach ihm und seinen Stellvertretern reiten auch die anderen Mitstreiter los. Die Überlieferung besagt: Je mehr Sterne aufgespießt werden, desto besser wird die nächste Ernte - und wer will nicht teilhaben an der positiven Schicksalsbesiegelung des Städtchens an der Westküste?
 
Um die Anzahl der aufgespießten Sterne zu feiern, führen die Reiter das Publikum nach dem Rennen in die Tradition der Pariglie ein: In Dreier- oder Zweiergruppen zeigen sie tollkühne und waghalsige Kunststücke auf den galoppierenden Ponys. 

Im Anschluss daran werden mehrere Kilo Konfetti unter den Zuschauern verteilt, mit denen sich alle gegenseitig bewerfen und die wie bei einem heftigen Schneesturm auf die Besucher hinabflattern.
 
Das Turnier errinert an das historische Rennen Sa Sartiglia. Wie beim Pferdespektakel das alljährlich am Faschingssonntag und Veilchendienstag stattfindet und vermutlich erstmals zu Ehren von Kaiser Karl V. im Jahr 1546 ausgetragen wurde, erlebt auch das Publikum der Sartigliedda die Einkleidung des Waffenmeisters, das Rennen um den Silberstern und deren Kunstfiguren auf den galoppierenden Ponys und Wildpferdchen, nur dass es sich am Rosenmontag um Mädels und Jungs und keine Erwachsene handelt.

Mehr Informationen: Fondazione Sa Sartiglia Onlus - Piazza Eleonora d’Arborea 44 - 09170 Oristano - www.sartiglia.info
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Andrea Behrmann
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