Grotta del Bue Marino
Erlebnistag im Golfo di Orosei
Zum Nationalpark Golfo di Orosei und Gennargentu gehören auch die steil ins Meer abfallenden weißen Felswände des Supramonte und die vielen kleinen Badebuchten mit ganz hellem Sand und azurblauem Wasser, wie zum Beispiel die Buchten Sisine, Mariolu, Luna und Goloritzé, die man nur mühsam zu Fuß oder, was viel einfacher ist, mit dem Boot von Cala Gonone aus erreichen kann.

Bei dieser Gelegenheit kann man vielleicht eine spannende Entdeckung machen, denn zwischen zwei Buchten, der Cala Fuili und der Cala Luna befindet sich die vielleicht berühmteste Grotte Sardiniens: die Grotta del Bue Marino.

Bis in die 1980-er Jahre lebte hier ein sehr menschenscheues und störungsempfindliches Tier: die Mönchsrobbe (italienisch „Bue Marino“). Diese Robbenart ist eine der seltensten Säugetiere Europas, erreicht maximal drei Meter Körperlänge und wiegt zirka 350 kg, hat kleine weiße oder gelbweiße Flecken auf der Bauchseite und unvergleichlich großen runden Augen mit wunderschönen langen Wimpern. 

Ab und zu taucht die Mönchsrobbe noch vor Sardinien auf: Vor einigen Jahren ließen sich einige wenige Exemplare für kurze Zeit mehrmals in den Gewässern um die Sinis-Halbinsel (Westküste) und im Naturpark von Villasimius (Südostküste) sehen. Forscher und Biologen sind deshalb der Meinung, dass die Mönchsrobbe ihren Standpunkt nur vorrübergehend verlagert hat und früher oder später an die Ostküste und in ihre Tropfsteinhöhle zurückkehren wird. 

Doch auch Höhlenerlebnis für die ganze Familie gibt es in der Grotte, die direkt über dem Meeresspiegel beginnt. Bei der geführten Tour kann ein Teil der Höhle, die einige unvorstellbar hohe Hallen hat, besichtigt werden. Die Gesamtdauer der Tour beträgt in der Regel eine halbe Stunde. 

Die Grotta del Bue Marino wurde wahrscheinlich schon in der Jungsteinzeit (Neolithikum) als Ort für Rituale genutzt – darauf weisen einige Felszeichnungen hin. Erkunden kann man die Höhle am besten per Boot, fast alle Bootsausflüge in den Golfo di Orosei stoppen hier zwischen.
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Andrea Behrmann
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