Monte Albo
Das Kurvenparadies der sardischen Dolomiten
Das wuchtige Kalksteinmassiv des Monte Albo ist das natürliche Wahrzeichen der Alta Baronia, dem Landstrich zwischen Posada und Siniscola im Nordosten Sardiniens.
 
Doch kennen das Naturparadies nur die wenigsten Einheimischen und auch die meisten Urlauber lassen den über zwanzig Kilometer langen Bergrücken links liegen.
 
Besonders hoch ist er nicht, der Monte Albo, mit seinen zwei Spitzen, die gerade mal knappe tausend Meter in den sardischen Himmel ragen. Auch wenn die Ostseite des Bergs vom Tal aus recht eintönig erscheint, überrascht die wilde Westflanke mit ganz unterschiedlichen Landschaften im abruptem Wechsel: schroffe Höhenzüge, verwitterte Felstürme, langgezogene Kalksteinwüsten. Dazu dunkle Steineichenwälder, hochgewachsene Baumheide und Erdbeerbäume, die zeitgleich weiße Blüten und gelbe und rote Beeren tragen.
 
Die Santolina Corsica, das korsische Heiligenkraut, kommt auf Sardinien nur am Monte Albo vor. Dafür in Unmengen: Ganze Berghänge überziehen die leuchtend gelben Blütenköpfchen und verwandeln die Hochebene von Pozzo Muttucrone im Frühling in einen gelben Blütenteppich. Immer wieder ragen die Spitzen immergrüner Eiben aus der Landschaft. Vor 150 Jahren überzogen ganze Forste des immergrünen Nadelbaums die Hänge des Monte Albo, bis der Gebirgszug in weiten Teilen abgeholzt wurde und seine Bäume als Holzkohle in die Toskana verschifft wurden.
 
Über den Hochplateaus und den Felsspitzen, die dem Monte Albo auch den Spitznamen "Dolomite Sarde" eingebracht haben, ziehen Steinadler und Wanderfalken ihre Kreise und im Unterholz fühlen sich Wildschweine, Mufflons und Wildkatzen wohl. 
 
Gleich mehrere Wanderungen führen in diese fabelhafte Naturlandschaft, die es auf Sardinien so kein zweites Mal gibt. Die bekannteste ist der Aufstieg auf die Spitze des Punta Su Mutucrone, die ab der alten Forststation Cantiera Guzzurra startet.

Die Cantiera Guzzurra mit seinem zünftigen Wirtshaus ist Anlaufstation für alle, die die Westseite des Monte Albo bereisen. Es liegt auf halber Strecke auf der engen Bergstraße, die sich an die Westflanke des Monte Albo klammert. Das gut dreißig Kilometer lange Kurvenparadies gilt unter Motorradfahrern, Rennradlern und Ausflüglern noch immer als Geheimtipp.
 
Anfahrt: Die Bergstraße SP 3 von Sant'Anna nach Lula kann über Lula (Abfahrt von der Schnellstraße SS 131 Richtung Bitti/Lula) oder ab Siniscola (Richtung Lodè/Monte Albo) erreicht werden. Verbinden lässt sich die einsame Bergstrecke mit einer Rundtour durch die Bergstraßen von Bitti, Mamone, Lodé und über den Lago di Posada zurück zur Küste.
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Timo Lutz
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