Santa Lucia
Verschlafenes Fischernest mit Pinienhain
Eigentlich war in Santa Lucia noch nie so richtig was los: Obwohl schon im Mittelalter als Fischerdorf ausgebaut, führt der kleine Naturhafen südlich von La Caletta schon immer ein Schattendasein.
 
Ein der Dorfpatronin Santa Lucia geweihtes Kirchlein aus dem 19. Jahrhundert (der Vorgängerbau aus dem 11. Jahrhundert soll mehrmals zusammengestürzt sein), ein spanischer Wachturm (1581 fielen die Barbaren über Santa Lucia in der Baronie ein, danach wurde die Verteidigungslinie an der Küste verstärkt) und ein paar Häuser und Fischerhütten (im 19. Jahrhundert wurden einige Fischer von der Insel Ponza nach Sardinien übersiedelt). Das war's schon.
 
Lediglich im Juli und August bevölkern ein paar Urlauber aus den nahen Campingplätzen den kleinen Ort am Meer. Dann werden Stände und Buden aufgebaut, Kinder vergnügen sich in Hüpfburgen und die älteren Semester sitzen mit Plastikstühlen auf der Piazza und lauschen den Konzerten auf der kleinen Bühne und lassen sich dabei eine frische Meeresbrise um die Nase wehen.
 
Saisonende ist schon in der ersten Septemberwoche: Dann wird das "SantaLucia Festival" zelebriert. Zu dem kleinen Volksfest gibt's Musik, Vorführungen, Ausstellungen, Straßenkünstler und Diskussionsforen.
 
Schon ab Mitte September wirkt Santa Lucia wieder wie ausgestorben: Leere Straßen und wenige geöffnete Bars und Fischrestaurants. Jüngst wollten ein paar Lokalpolitiker Santa Lucia zum Urlaubsort ausbauen: Der große Pinienhain, der in den 1930-er Jahren hier gepflanzt wurde, um vor Bodenerosion zu schützen, sollte vier Luxushotels mit 1500 Hotelbetten weichen. Die Bürgerbewegung "Salviamo Santa Lucia" hält mit Protesten und Unterschriftenaktionen bisher erfolgreich dagegen, denn eigentlich soll in Santa Lucia alles so bleiben wie es ist: Das hier nämlich noch nie so richtig was los war.
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Timo Lutz
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