Felsbogen S'Archittu
Bizarrer Steinbogen und antiker Handelshafen
An der Westküste, zwischen Bosa und Oristano, steht ein bizarres Monument: Der weiße Steinbogen S’Archittu. Der flache Kalkfelsen, der in die Bucht hineinragt, ist auf halber Strecke ausgehöhlt und formt so eine natürliche Brücke. Doch die Bucht hat nicht nur dieses Naturschauspiel, sondern auch einen kleinen Sandstrand und einiges an Geschichte zu bieten. 
 
Traumhaft liegt es da: Das beliebte Postkartenmotiv S'Archittu, was auf Deutsch soviel wie "der kleine Bogen" heißt. Umgeben von glasklarem, azurblauem Wasser, ist die Bucht nicht nur bei Badeurlaubern beliebt, sondern auch Angler, Taucher und Paddelfreunde kommen hier auf ihre Kosten.
 
Die Jugendlichen der umliegenden Ortschaften stürzen sich hier mutig und in hohem Bogen direkt vom Felsen in die klaren Fluten. Nachahmer sollten beim Klettern auf die scharfen Kanten des Kalkgesteins achten. 
 
In der Bucht von S'Archittu soll einst auch Coracodes Limen, ein wichtiger Handelshafen, der lange als unauffindbar galt, gelegen haben. Er war der Hafen der punischen Stadt Cornus

Die erste Erwähnung findet sich in einem Werk des römischen Schriftstellers Titus Livius, der von der Eroberung Teilen Sardiniens im Jahre 215 v. Chr. erzählt und den Hafen der Stadt als wichtigen strategischen Eroberungspunkt nennt. Auch der griechische Astronom Ptolemäus erwähnt die Hafenstadt in seinem Buch "Geographie“, dem wichtigsten geografischen Werk seiner Zeit. Die Kartografie von Ptolemäus erlaubte die genaue Bestimmung der Position der Hafenstadt: Die Bucht von S’Archittu.

Alle Hinweise auf die bedeutende Hafenstadt beschränkten sich bis vor kurzem auf Beschreibungen von Wissenschaftlern, die sich allesamt auf den griechischen Astronomen stützen: Giovanni Francesco Fara erwähnt die Position von Coracodes Limen, auch die bedeutenden Sardinien-Forscher Giuseppe Manno, Ettore Pais und Alberto Lamarmora sind sich sicher, dass der Hafen von Cornus in dieser Bucht lag. Der deutsche Sardinien-Reisende Heinrich von Maltzan zweifelte 1868 hingegen an seinen Kollegen: „Cornus lag nicht am Meer und kann auch nie einen guten Seehafen besessen haben, was aus der Beschaffenheit der Küste erhellt“. In der Tat kann man sich nur schwer vorstellen, dass an dieser felsigen Küste vor Urzeiten ein bedeutender Hafen gelegen haben soll. 
Licht in den Gelehrtenstreit brachten erst Forschungen aus dem Jahre 1998: In zehn Metern Tiefe wurde ein in den Fels gehauener Kanal gefunden, dazu Landungsbrücken, auf denen wohl Waren verladen wurden und Passagierschiffe anlegten. Scherben und ganze Amphoren weisen darauf hin, dass die heute so einsame Bucht einmal ein bedeutender Handelshafen war.
 
Zu sehen gibt es aus archäologischer Sicht aber in der Bucht von S’Archittu leider nichts mehr. 
 
Wer das malerische Felstor erreichen will, stellt sein Auto auf dem Parkplatz am nördlichen Ortsausgang ab.
 
Von dort führt ein gepflasterter Weg in wenigen Minuten zunächst zu einem Aussichtspunkt und zum Spiaggia dell'Arco, auf einem Trampelpfad dann weiter zum neun Meter hohen Felsbogen. 
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Timo Lutz
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