Buggerru
Von der Bergarbeiterstadt zum einsamen Jachthafen
Heute erinnern in dem beschaulichen, gerademal tausend Einwohner zählenden Nest Buggerru an der Westküste Sardiniens nur noch die Skelette der verfallenen Industrieruinen der Blei- und Zinkminen daran, dass diese entlegene Ecke der Insel einst zu den wichtigsten Wirtschaftszentren Sardiniens zählte.
 
Seinen Höhepunkt hatte Buggerru in den 1870-er Jahren, als hier vier Millionen Tonnen Zink abgebaut wurden - besonders kostengünstig, da die Mineralien in den obersten Erdschichten zu finden waren. Von der Hochebene Planu Sartu wurde der Abraum mit Dampflokomotiven durch einen "Galleria Henry" genannten Tunnel bis 50 Meter oberhalb von Buggerru gebracht und am Hafen auf Schiffe nach Italien und Frankreich verladen. 
 
Zeitweise wohnten in der kleinen Stadt, die sich in ein enges Tal drängt, zusammen mit den inzwischen verlassenen Bergarbeiterdörfern Planu Sartu, Caitas und Monte Beccu über 8000 Menschen. Die Direktoren der Bergwerke logierten in schmucken Jugendstilvillen und das erste Automobil in der Provinz Cagliari fuhr in Buggerru. Der Ort war eine der ersten Ortschaften auf der Insel, die mit elektrischem Strom versorgt wurden. Am Hafen gab es einst Kinos, Geschäfte mit edler Mode aus Paris und ein Theater. So hatte es Buggerru zu seinen Glanzzeiten zu einem bescheidenen Wohlstand geschafft.

Landesweit schaffte es das Bergarbeiter- und Hafenstädtchen zu trauriger Berühmtheit: Der beschauliche Hafen an der Südwestküste war im frühen 20. Jh. Ausgangspunkt des ersten Generalstreiks Italiens. Arbeiter der umliegenden Minen und Erzwaschanlagen wehrten sich bei den moti di Buggerru im Jahre 1904 im großen Stil gegen die Ausbeutung durch die übermächtige Minengesellschaft. Drei Arbeiter kamen bei den Aufständen ums Leben und in der Folge weiteten sich damals die Proteste auf das ganze Land aus. Heute erinnern nur noch drei den getöteten Kumpels gewidmeten Statuen des Bildhauers Pinuccio Sciola an den Tag, als Buggeru im ganzen Land Schlagzeilen machte.

Jetzt ist es sehr ruhig geworden in der Kleinstadt an der Westküste. In den 1970-er Jahren wurden die Bergwerke geschlossen und seit die Beschäftigungsgesellschaft der ehemaligen Kumpel, die am Tropf von staatlichen Finanzierungen hängt, die Besichtigung der ehemaligen Schachtanlagen nur noch ab und zu erlaubt und das kleine Minenmuseum nur noch unregelmäßig öffnet, verirren sich kaum noch Urlauber nach Buggerru.
 
Die meisten kommen wegen des breiten Sandstrands, der sich gleich neben dem Hafen befindet. Die Gemeinde versucht außerdem mit mäßigem Erfolg als Jacht- und Fischerhafen Touristen an die wilde Südwestküste Sardiniens zu locken, doch noch immer ist die sardische Westküste weitab vom Schuss.
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Timo Lutz
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