Vinicio Capossela in Cagliari: Polvere Tour
Kein Poet, aber ziemlich nah dran 
Vinicio Capossela begeistert bereits seit Mitte der 1990-er Jahre das italienische Publikum mit seinen langsamen, bewegenden Balladen und sozialkritischen Liedern. Er ist ein singender Poet und schöpft seine Texte aus der zeitgenössischen Literatur. Seine Lieder, in denen sich Zitate und Anspielungen aus Werken von John Fante, Louis-Ferdinand Céline und Oscar Wilde finden, orientieren sich jedoch nicht nur an der Dichtung sondern gleichwohl am Film und Fernsehen. Am 29. Juli 2016 berauschte Capossela seine Fangemeinde mit den Songs aus seinem neuen Album "Canzoni della Cupa".
 
Die Open-Air Arena am Cagliaritaner Fußballstadion hat schon so manchen Künstler gesehen, der eine große Pop-, Rock- oder Rapshow auf die Bühne brachte. Das am Freitagabend, dem 29. Juli 2016 alles ein bisschen anders sein würde, war gleich zu Beginn des einzigen Sardinien-Konzertes des in Hannover geborenen und heute in Mailand lebenden Capossela klar. 
 
Keine 3D-Animationen, keine Videosequenzen, keine effektvolle Pyrotechnik oder was sich Musiker sonst noch so einfallen lassen. Trockene Halme, Ähren, Kuhschädel, Überbleibsel von Dorffesten und Festbeleuchtung schmückten die Bühne, auf der an diesem Abend die volkstümliche Überlieferung und das bäuerliche Leben zum Ausdruck kommen sollten. Schließlich sei das Korn ein Symbol der nährenden Mutter und der Fruchtbarkeit, erklärte der italienische Chansonssänger. Auch seine Aufmachung, die von weitem wie eine Mischung aus Vogelscheuche im Kornfeld und Edward mit den Scherenhänden aussah, passte zum Thema. 
 
So piepten Vögel, raschelten Insekten und zirpten Zikaden, als Capossela die Arena im Wolfskostüm betrat und mit "La bestia del grano" sein ohne Pause durchgezogenes Konzert eröffnete. Mit Gesang, Trompete, Trommel, Kontrabass, Zymbal, Fidel, Banjo, Schlagzeug, Gitarre, Akkordeon und der Cupa-Cupa, einem Brummtopf mit Friktionsstab, entführten Capossela und seine sehr gute elfköpfige Band die Fans in die Klangwelt des Südens.
 
Mit diesem kräftigen Song und weiteren Liedern des Südens wie „Femmine“, „Dagarola del Carpato“, „Zompa la Rondinella“, „Lu Furastiero“ und „Lo Sposalizio di Maloservizio“ zauberte er pure Freude auf die Gesichter seiner Zuhörer, die sich immer wieder zum Tanzen und Mitsingen hinreißen ließen.  
 
Virtuos begleitete Capossela sich an Gitarre und Akkordeon, gewährte Einblicke in persönliche Gedanken und überzeugt nicht nur mit den lauten und tief greifenden Liedern seines neuen Albums. Neben "Che coss'é l'amor" von 1994 und "Marajà" aus dem Sammelalbum „Canzoni a Manovella“ stechen "Pena de l'alma", "Uomo vivo" und "Il ballo di San Vito" heraus.
 
Mehr als zwei Stunden faszinierte Capossela seine Fans in Cagliari mit einer Show zwischen Folksfest, Folkloremusik sowie römischer Bauernreligion und versenkte das Publikum in ein nach archaischer Welt schmeckendes Universum. Mehr als ein einfaches Konzert, war es ein Bühnenstück mit dem 50-jährigen Italiener als Mittelpunkt.
 
Kurz vor Schluss gesellten sich sogar zwei Boes und Merdules mit zotteligen Tierfellen und grotesken Masken sowie SängerKomiker und Comedy-Alleinunterhalter Benito Urgu zu Capossela auf die Bühne. Die Menge jubelte!
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