Filigranschmuck aus Sardinien
Juwelen, die aus dem Rahmen fallen
Bereits Punier, Römer, Spanier und Piemontesen förderten in den Minen der Insel Silber. Von dem Reichtum an Bodenschätzen profitierten diesmal auch einheimische Silberschmiede, denn sie mussten das teure, weiß glänzende Edelmetall nicht auswärts ankaufen.
 
Rund um die Grubenfelder Iglesias und Algheros und in den größeren Orten der Insel entstanden damals gleich mehrere Silberschmieden. So zum Beispiel auch in Oristano, Cagliari, Sassari, Sinnai, Nuoro, Oliena, Bosa und Dorgali. Heute führen die sardischen Handwerker diese für Sardinien so typische feingliedrige Schmiedearbeit auch mit Golddrähten aus.
 
Der Name Filigrana entstammt dem Lateinischen und bedeutet Faden (filum) und Korn (granum). Die für Sardinien typische Filigranarbeit stammt ursprünglich aus Asien und gelangt erst auf Umwegen auf die Insel. Schon der Name deutet auf eine aufwendige Feinschmiedearbeit hin, bei der aus einem sehr dünnen Gold- oder Silberdraht zunächst eine Form gebogen wird, die dann mit weiteren spiralförmig gebogenen Drähten und Gold- oder Silberkörnchen ausgefüllt wird. Nach dem Schweißen, Färben, Reinigen und Polieren wird das Schmuckstück schließlich mit Perlen und Schmucksteinen besetzt: Alles rigoros in Handarbeit ausgeführt.
 
Jedes Schmuckstück hat seine Bedeutung und wurde zu bestimmten Anlässen getragen. Dem Volksglauben nach, steht zum Beispiel der sardische Knopf mit seinem stilisiertem Kornfeld, den Sprossen, den Ähren, den Trauben und dem Rotweinkelch für Überfluss und Reichtum. Auch der sardische Verlobungsring deutet auf Überfluss, doch vor allem auf Keuschheit hin. Die Kügelchen stellen den Weizen, die Blätter seine Sprossen dar. Zu bestimmten Anlässen, wie etwa der Weinlese oder der Sankt-Martins-Zeit trug man Ohrringe in Form von Trauben oder Amphoren.
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Andrea Behrmann
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