Marcello Fois: Die schöne Mercede und der Meisterschmied
Pralle Familiensaga um Michele Angelo Chironi und Mercede Lai
Die schöne Mercede und der Meisterschmied von Marcello Fois
Archiv Sardinien.com
Marcello Fois: Die schöne Mercede und der Meisterschmied, Verlag Die Andere Bibliothek, Berlin, Juni 2011. Die Italienische Originalausgabe erschien 2009 unter dem Titel Stirpe.
 
Die pralle Familiensaga spielt zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf Sardinien.
 
Das Buch schildert nicht nur das beklemmende Panorama dieser Jahrzehnte, sondern auch die Geschichte einer Familie, die von unsäglich vielen Schicksalsschlägen heimgesucht wird. Ein Holzboden, der den Träumen und der Daseinsberechtigung die Nahrung verbietet. Dennoch streben der Waise Michele Angelo Chironi und die uneheliche Mercede Lai nach Glück und Erfüllung, müssen aber entdecken, dass diese immer wieder von tragischen Ereignissen überschattet werden.
 
Ihre erste Begegnung führt nach acht Monaten in die Ehe. Michele Angelo ist Schmied und bringt es mit dem Bauzuwachs von Nuoro zu einem neidvoll bewundertem Wohlstand. Mercede bringt nach den Zwillingen Pietro und Paolo sowie zwei Totgeburten noch Gavino, Luigi Ippolito und Marianna zur Welt. Das herkunftslose Geschlecht der Chironis scheint von paradiesischem Glück verwöhnt. Doch eines Tages werden die Zwillinge ermordet aufgefunden. Michele Angelo und Mercede sind fassungslos und zweifeln aufgrund ihrer Herkunft an ihrer Daseinsberechtigung.
 
Als der Erste Weltkrieg ausbricht zieht Luigi Ippolito freiwillig in den Krieg. Er wird verletzt und landet schließlich in der Irrenanstalt. Gavino outet sich als Homosexueller, wird daraufhin misshandelt und geächtet und beschließt nach Australien auszuwandern. Marianna lebt mit einem Juristen und ihrer kleinen Tochter in Cagliari. Nachdem ihr Mann und das Kind einem faschistischen Überfall zum Opfer gefallen sind, kehrt sie ins Elternhaus zurück.
 
Eines spätnachmittags verschwindet Mercede ohne ein Wort des Abschiedes. Kurz danach erfahren Michele Angelo und Marianna vom Tod Gavinos. Nur der Besuch eines Flüchtlings bringt wieder Leben ins Haus Chironi. Obwohl er ein Fremder ist, kommt er Vater und Tochter bekannt und vertraut vor.
 
Es ist bewundernswert wie Marcello Fois seinen Stoff und das enge sardische Milieu sprachlich bewältigt. Mit präzisen Strichen zeichnet er ein vielfältiges Geflecht von plastischen Figuren und Situationen. Er ist sprach- und wortgewaltig. Ein wunderbarer dramatischer Roman, der sich trotz der Tragik leicht liest. 
 
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