Der wunderbar verrückte Garten des Fiorenzo Pilia
Traumreise in San Sperate
Am Eingang zum Garten steht ein riesiger hellblauer Hut aus Kunstharz, unter dem, wie am Drehkranz eines Kettenkarussell, zahlreiche schwingende Sitzgelegenheiten hängen. Still verharrt ein riesiger Hahn unter dem Hut. Das fand ich sonderbar, trat neugierig näher und hörte Herrn Pilia sagen: “Der Hut stellt den Himmel dar. Hier entsteht Leben, denn irgendwann und irgendwie begannen leblose Moleküle im Universum plötzlich zu existieren. Deshalb gleicht der Weltraum auch der Frau – beide gebären Leben.“
 
Der Eingang zum Giardino Fantastico, dem phantastischen Garten im Süden von Sardinien, führt durch ein bunt geschmücktes Eisentor am Ortsende von San Sperate

Das Tor steht an der Straße in Richtung Decimomannu, knapp einen Kilometer vom Museumsdorf entfernt. Seit 1993 arbeitet Fiorenzo Pilia, Jahrgang 1933, jeden Tag von morgens bis abends in seinem Wundergarten und entwirft gigantische, phantastische, experimentell, aber auch enorm provokativ erscheinende Skulpturen und Figuren. 
 
Demonstrativ, herausfordernd, umfangreich, bisweilen sogar episch mutet ein Rundgang durch den 4000 Quadratmeter großen verwunschenen Garten an: Man trifft auf den Papst, die Frau der Zukunft, die Erde, das Universum, den Sternenhimmel, ein Flugzeug mit Wildschweinschnauze, einen der beiden Zwillingstürme des World Trade Centers und eine gigantische Frau mit gespreizten Beinen, die jede Aufmerksamkeit auf sich zieht.
 
Herr Pilia langweilt sich nie, er ist Kopf, Chef und Begleiter zugleich. Er übernimmt die Führung und antwortet auf all die Fragen, die der phantastische Garten aufwirft. Ich kann nur staunen über seine Kreativität und ihn bewundern. Fragt man ihn nach seiner Ausbildung und Schule, lächelt er verschmitzt: „Ich bin mir selbst ein Rätsel“, beteuert er. „Ich bin kaum zur Schule gegangen und habe auch keine künstlerische Ausbildung genossen. Vor 17 Jahren bin ich eines Tages aufgewacht und habe mich mit Hingabe und Leidenschaft an meine ersten Skulpturen gemacht. Ich glaube es war göttliche Fügung.“ 

Seitdem nimmt er die Aufgabe seine Mitmenschen wachrütteln zu wollen sehr ernst. „Wir dürfen uns nichts aneignen, denn wir sind nur auf der Durchreise. Egoismus, Gier und Macht sind keine guten Werte, sie fressen uns auf und zerstören die Welt.“, beteuert er aufrichtig besorgt. „Ich bin ein Bürger dieser Welt und möchte, dass sich die Menschen verändern - verbessern. Meine Kunst soll sie aufrütteln."
 
Für seine Arbeiten bedient er sich aus dem Fundus der Abfall- bzw. Ausschussmaterialien und Produktionsreste. “Ich sehe nicht ein, weshalb ich die alten Gartenrohre, weggeworfenen Kabelkanäle, Drähte und Radteile, Haushaltshelfer und das alte Gerümpel nicht ebenso gut als Material für meine Kunstfiguren verwenden kann wie neu hergestellte Werkstoffe” erklärt er. “Neu sind nur die Gitternetze die den Skulpturen Struktur und Halt geben.”
 
Unterdessen folge ich Herrn Pilia in das Innere einer gigantischen Frauenskulptur. Sie ist rosa, hat halblanges, schwarzes, sträniges Haar und große Brüste. Auf ihrem linken Fuß sitzt eine fröhlich drein blickende Familie. Zwischen ihren gespreizten Beinen liegt die Tür zu ihrem Leib. In ihrem Bauch begegne ich dem ewigen Lebenszyklus. Zwischen Herz, Lunge, Nieren und Leber hat Herr Pilia minutiös den Entwicklungsgang der Menschen dargestellt: Der Zyklus beginnt mit der Befruchtung der Eizelle geht über die verschiedenen Entwicklungsstadien vom Kind bis zum Erwachsenen und endet mit dem Tod.
 
Im Leib der hünenhaften Frau endet leider auch der kleine Rundgang durch diesen wunderbar verrückten Garten, der phantastischer erscheint als die Wirklichkeit. Nur wiederwillig verlasse ich Herrn Pilia, der mit noch verrät, dass er im Moment am Mann zur Frau arbeitet. „Ich weiß nur noch nicht wie lange es dauert, bis ich ihn fertig kriege“, teilt er mir mit. Ich bin gespannt! 
 
Mehr Informationen: Il Giardino Fantastico - Via Decimo - 09026 San Sperate - https://it-it.facebook.com/IlGiardinoFantastico.
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