Poetto di Cagliari
Hausstrand der Cagliaritaner
Die Cagliaritaner sind stolz auf ihren kilometerlangen feinen weißen Sandstrand.
 
Am Wochenende flaniert man an den vielen kleinen Strandbars Baretti entlang und schaut den Surfern, Kitern und Seglern zu oder beobachtet die braungebrannten Badegäste, die sich mit ihren gestählten Luxuskörpern und engen Bikinis zu überbieten versuchen.
 
Am südlichen Ende des Poetto thront die Sella del Diavolo - ein Berg, der seiner Form wegen von den Einheimischen Teufelssattel genannt wird. Ihm zu Füßen liegt der kleine Jachthafen Marina Piccola, der allabendlich zur Flaniermeile wird.

Den schönsten Blick auf den Strand hat, wer sich ihm tagsüber mit dem Flugzeug nähert, wenn die Luft klar ist wie Glas und die Sonne scheint. Nur von oben kann man sehen, wie endlos lang einer der größten Sandstrände einer europäischen Großstadt ist, wenn man den Poetto di Quartu mitzählt, der verwaltungstechnisch zur Satellitenstadt Quartu Sant'Elena gehört.
 
Am schönsten ist der Strand in der Vor- und Nachsaison, dann gehört er nämlich den Cagliaritanern und den nur wenigen Besuchern. In der Saison ist er hingegen vollkommen überlaufen. Um das tägliche Verkehrschaos zu mildern, wurden neue Parkplätze angelegt und die Hauptstraße verlegt und ausgebaut.
 
Auf der Höhe der siebten Haltestelle des Stadtbusses, vor und neben dem ehemaligen Ospedale und dem spanischen Turm (Torre Spagnola) ist auch tagsüber was los und es gibt auch ein bunt gemischtes Gay-Publikum rund um die Strandbar Fico d'India, kein FKK.
 
Der Poetto, das ist auch Beach-Kultur: Sportlichen Aktivitäten und Veranstaltungen aller Art haben den Poetto zum Trendziel für Familien mit brüllenden und schmollenden Kids, für Horden von Jugendlichen, für Liebespaare, für Aktiv-Sportler, für schrille Typen und für ältere Menschen, die nur beim Zuschauen schon eine Verjüngungskur erleben, gemacht. Abends ist der Poetto eine Flaniermeile und in jedem der Baretti oder chioschi genannten Strandbars wird abends Livemusik zum Besten gegeben. Und gerade darum werden die Cagliaritaner beneidet: um ihr Nachtleben und ihren Lifestyle, der sich im Sommer hier abspielt.
 
Die Cagliaritaner lassen sich ihren Traumstrand vor der Haustür nicht nehmen, auch wenn er allzu oft Spielball von Politik und Spekulation ist.
 
Ende der 1980-er Jahre verschwanden die riesigen Dünen und die kunterbunten Badehäuser, die den Poetto einst schmückten. Konsequenz: Der Wind trieb den puderzuckerfeinen Sand auf die angrenzende Straße, für die längst schon ein alter Pinienhain weichen musste.

Zeit zum Eingreifen, dachte sich die Politik und ordnete 2002 an, neuen Sand am Poetto anzuhäufen. Mit einem holländischen Sandbagger wurden 350 Tausend Kubikmeter Sand auf den zur Gemeinde Cagliari gehörenden Strandabschnitt geladen. Die Folgen waren verheerend: Der aufgeschüttete Sand ähnelt eher Kies, ist durchsetzt von Steinen und hat eine grau-schwarze Farbe. Der einstige, karibikblaue Traumstrand ward für immer verloren, trotz aller Proteste, Petitionen und Prozesse. Seither ist auch das Wasser nicht mehr so wie früher: Je nach Wind und Wetter ist es kristallklar und blau, oder eben trüb, grau und lädt wenig zum Baden ein.
 
Noch so ein Spielball der Politik ist das alte Krankenhaus Ospedale Marino, eigentlich ein prächtiges Beispiel monumentaler Liberty-Architektur, das seit 1992 verlassen ist und vor sich hin rottet. Gemeinde, Provinz, Region und andere Institutionen wollen sich einfach nicht darauf einigen, was mit dem Klotz am Strand geschehen soll.

Auch um die beliebten Strandbars gab es ein  jahrelanges politisches und administratives Gezerre. Lange hatten sie weder Baugenehmigung und Betriebserlaubnis, mussten nach endlosen juristischen und bürokratischen Tauziehen nach über 25 Jahren abgerissen werden. Dann wurden sie wieder aufgebaut - doch es kamen zahlreiche Rückstände zum Vorschein, es musste also aufwändig saniert werden. 
 
Seit 2015 ist alles anders geworden: Die Strandpromenade wurde erneuert und neue Strandbars errichtet - größer, schöner und nicht mehr direkt auf dem Sand. Damit wurden bürokratische Hürden umschifft und die Baretti und Chioschi können wieder das ganze Jahr über öffnen.
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Andrea Behrmann
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