Valle della Luna - Aggius
Bizzarre Granitlandschaft im Tal des Mondes
Eine kleine Hochebene im Norden Sardiniens trägt einen magischen Namen: Valle della Luna, Tal des Mondes.
 
Der weniger poetische Name der Landschaft bei Aggius lautet hingegen Piana dei Gran Sassi, zu Deutsch Ebene der großen Steine.
 
In der letzten Eiszeit auf Sardinien haben Gletscher, Wind und Wetter hier bizarre Felsen und Hügel geschaffen, massive, hausgroße Findlinge aus Granitsein durch die Landschaft geschoben und Felsbrocken übereinander getürmt. Sie bilden eine schier endlose Landschaft aus Granit, Tafoni-Felsen und Steinplateaus, die überwuchert sind von ockergelben und karminroten Flechten, Brombeerbüschen, Myrthenhecken, Ginster und Schwarzdornbüschen.

Hinter jedem Felsturm verbirgt sich eine andere Landschaft: Mal eine Geröllwüste, unterbrochen von Mastixsträuchern und Zistrosenbüschen, mal weite Grasländer, in der eine Unzahl von Insekten, Schmetterlingen, Spinnen, Vögeln, und Kleinsäugern leben. Dunkle Stein- und Korkeichenwälder mit Farnen und Affodilllilien fehlen ebensowenig wie saftige Wiesen und Felder, in denen einige Bauern Landwirtschaft betreiben. In den Bächen und Auen des Valle della Luna leben wilde Landschildkröten, Zornnattern und Laubfrösche. In den zahlreichen Fugen der Steinmauern, die das Tal wie ein Netz überziehen, fühlen sich Eidechsen und Salamander wohl. 

Obwohl die Hochebene nordwestlich von Aggius ein einmaliges Naturparadies ist, sind Landschaft und Natur hier nicht durch einen Naturpark geschützt. Kuhweiden, Haferfelder und ein Granitsteinbruch gliedern sich harmonisch in die Landschaft ein. Da die Wiesen und Wälder aber von Bauern genutzt werden, sind viele Gebiete weitläufig eingezäunt und wer hier wandern will, muss zwangsläufig mit einer der vielen Stichstraßen und Feldwege Vorlieb nehmen.

Ob diese Landschaft nun wirklich einem Tal auf dem Mond gleicht, liegt im Auge des Betrachters. Die bizarre Landschaft der Hochebene, eingebettet in die Berge der Gallura mit Fernblick auf das gewaltige Limbara-Massiv ist aber wirklich außergewöhnlich. Nicht von dieser Welt scheinen jedenfalls die endlos aneiandergereihten Windkrafträder, die Jahr ein Jahr aus auf dem schmalen Bergrücken des Punta Salici ihre Rotorblätter drehen.
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Timo Lutz
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