Dune di Piscinas d'Ingurtosu
Goldgelbe Dünen und Abraumhalden
Bei Arbus entlang der Costa Verde erstrecken sie sich die Dune di Piscinas d'Ingurtosu: Goldgelb leuchtende Sandberge, die bis ins Unendliche zu reichen scheinen. Verstreute Wacholderbüsche krallen sich mit ihren Wurzeln in die Sandberge. Nur sie haben den langsam wandernden Dünen etwas entgegenzusetzen, denn der vor allem im Winter treibt der hier kräftig wehende Mistralwind die Sandkolosse langsam aber sicher in Richtung Land. Im Windschatten der uralten Wacholdersträucher gedeihen noch ein paar einzelne Mastix- und Ginsterbüsche - sonst gibt es nur Sand weit und breit.
 
Zwei kleine Bachläufe graben ihren beschwerlichen Weg durch die Dünenlandschaft: Der Rio Piscinas und der Rio Naracauli sind die einzigen Wasserquellen der Gegend. Ansonsten ernähren sich die Pflanzen vor allem von der Luft, die der feuchte Mistralwind vom Meer in die Dünen treiben und deren Wassertropfen auf den Blättern der Büsche kondensieren.
 
Die Dünen von Ingurtosu reichen bis an das tiefblaue Meer heran und bilden einen der schönsten Strände der Insel. An dem knapp sieben Kilometer langen Sandstrand von Piscinas findet man selbst im Hochsommer ein einsames Plätzchen und eine Düne für sich. Doch auch die Zivilisation hat hier Einzug gehalten: Zwei Strandbars und ein gebührenpflichtiger Parkplatz stehen für die Besucher bereit.
 
Früher war der Spiaggia di Piscinas aber auch Endstation für Erze und Bodenschätze aus dem Bergwerk von Ingurtosu und Gennamari. Heute zeugen nur noch ein verwitterter Kai, ein paar Bahngleise mit Lohren und das ehemalige Lagerhaus von der bewegten Vergangenheit von Piscinas als Warenumschlagplatz. In den sandfarbenen Gebäuden direkt am Strand wurde Blei- und Zinksulfit gelagert, bis es mit Transportschiffen in alle Welt verschifft wurde. Die ehemaligen Lagerstätten am Meer sind nicht die einzigen Spuren der langen Bergbaugeschichte dieses Gebietes. Im Tal des Rio Piscinas, dessen Wasser sich heute noch manchmal von Mineralien und Metallstaub rostrot färbt, stehen die Skelette der einstigen Industrieanlagen: Blei- und Zinkminen, Fördertürme und -bänder, riesige, verfallene Industriehallen mit romanisch inspirierten Rundbögen, einsam in den Himmel ragende Essen und graue Abraumhalden sind ein Musterbeispiel sardischer Industriearchitektur. 
 
Die Region Sardinien und das Kulturministerium in Rom wollen die alten Industrieanlagen als Denkmäler erhalten: Bereits 2006 hat Italien die Aufnahme der Überreste des sardischen Bergbaus im Sulcis-Iglesiente und an der Costa Verde in die UNESCO-Welterbeliste beantragt, in die nur Stätten aufgenommen werden, die herausragende universelle Bedeutung aus historischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen haben. 
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Andrea Behrmann
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