Nuraghe Aiga
Mittsommer- und Wintersonnenwende im unscheinbaren Rundturm bei Abbasanta
Sonne macht glücklich! Die Sonne erhellt unser Gemüt, macht froh und belebt unser Glücksempfinden. Sie stimuliert und aktiviert den Körper. Das müssen auch schon die Bewohner der Nuraghen gewusst haben, denn seit der frühen Bronzezeit sollen Priester in diesen geheimnisvollen Turmbauten Sonne, Mond und Sterne beschworen haben.

Die wuchtigen, an einen Kegelstumpf erinnernden Steinbauten zählen zu den bekanntesten und interessantesten Kulturdenkmälern Sardiniens. Ihre Türme, Kammern, Wendelgänge, Nischen, Stufen und Plattformen geben schon seit Jahren Anlass zu allerlei Spekulationen, wenn es um die Deutung ihrer Nutzung geht. Wirklich weiß man bisher kaum mehr, als dass die konischen Rundtürme den bronzesteinzeitlichen Nuraghern offenbar auch als Kur- und Heilstätten, sowie als Kalender dienten, von denen Priester und Gelehrte astronomische Beobachtungen anstellen konnten.
 
Inmitten der Hochebene von Abbasanta liegt der eher unscheinbare Nuraghe Aiga (15. Jahrhundert v. Chr. - 3. Jahrhundert n. Chr.). Der Rundturm bestand ursprünglich aus drei Außen- und einem zweistöckigen Hauptturm. Um ihn herum befand sich eine relativ große Siedlung. Heute sind nur noch wenige Reste davon zu sehen. 

Jedes Jahr am 21. Juni, wenn die Sonne ihren höchsten Stand am Zenit erreicht hat, finden zahlreiche Menschen den Weg zu diesem Nuraghen, um die Sonne anzubeten, Energie zu tanken, sich der Erde und ihren Kräften nahe zu fühlen und den Nuraghern aus grauer Vorzeit ihre Ehre zu erweisen, denn an diesem Tag kann hier ein besonderes astronomisches Phänomen beobachtet werden.
 
Zur Mittsommerwende wirft die Sonne ihre Strahlen durch eine kleine dreieckige Öffnung in der Decke des Hauptturms und trifft eine eigens darauf eingerichtete Nische in der Felswand. Wie jedes Jahr ist auch Wissenschaftlerin Arianna Mendo aus Palau vor Ort, um Energie zu tanken. Sie beteuert: "Dieses Phänomen im Nuraghe Aiga ist ein Beleg für die kultische, religiöse und astronomische Bestimmung der Nuraghen."
 
Sonnenenergie
Wer nach oben schaut, erkennt die dreieckige Öffnung in der Decke des Nuraghen, durch die die Sonnenstrahlen in den Nuraghen treffen. Zur Mittsommerwende kurz vor zwölf Uhr Mittag treffen die Strahlen für etwa eine Stunde gebündelt eine Nische in der Wand: Eine lebensenergiespendende Mittagssonne vom Himmel, die Körper, Seele und Geist stärkt, Gefühle in Balance bringt und Gedankenformen ausgleicht. Die Kraft der Sonne verstärkt die Verbindung des Menschen mit dem Kosmos und der universellen Lebensenergie. 
 
"Das Phänomen", erklärt Frau Mendo, "wiederholt sich zur Wintersonnenwende, doch nicht wenn die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hat, sondern bei Sonnenaufgang. Am 21. Dezember treffen die Strahlen die Wandvertiefung dann nicht von der Öffnung in der Decke, sondern vom Eingang aus".
  
 
Kult- und Heilstätten 
"Die Nuraghen hatten oben eine Aussichtsterrasse, von der man Sterne und Sternenbilder beobachten konnte," erklärt Frau Mendo weiter. "Die Nuraghen waren Sonnenanbeter, ihre wuchtigen Rundtürme keine Befestigungsanlagen sonder Kalender, Kult- und Heilstätten." 
 
Aufmerksam auf dieses Phänomen wurden vor etwa dreißig Jahren die Forscher Carlo Maxia und Lello Fadda. Bei der Untersuchung vieler sardischer Ausgrabungsstätten stellten sie fest, dass sich bei einigen Nuraghen der Schlussstein des Rundturms entfernen ließ. 
 
Anfahrt: Von Abbasanta aus auf die Straße Richtung Santu Lussurgiu fahren und dann der Ausschilderung folgen.
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